Degrowth Konferenz 2014 in Leipzig

In der ersten Septemberwoche kamen Menschen aus 74 Ländern der Welt in Leipzig zusammen, um gemeinsam über ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu diskutieren. Es war die 4. Internationale Degrowth Konferenz. Die Konferenz findet aller 2 Jahre statt und war bisher in Barcelona, Paris und Venedig. Die NATUC war natürlich live dabei.

Auf der Degrowth Konferenz fanden circa 500 Veranstaltungen statt. Das bedeutete im Endeffekt große Entscheidungsschwierigkeiten bei uns Teilnehmern. Je Veranstaltungsslot gab es 25 oder mehr Veranstaltungen zur Auswahl. Wie soll man da bitte sicher sein, dass man nichts Wichtiges verpasst? Auch die Veranstaltungsformate an sich waren sehr verschieden, es gab Podiumsdiskussionen, Vorstellungen wissenschaftlicher Arbeiten, Workshops, Vorträge, Filme, Kunstinstallationen, Besichtigungen oder auch Ausstellungen. Unter den Beitragenden fanden sich bekannte Namen wie Niko Paech, Naomi Klein, Federico Damaria, Barbara Muraca, Hartmut Rosa oder Friederike Habermann. Von der TU Chemnitz war Irma Rybnikova anwesend, um ihr Paper „Participation and economic growth in cooperatives“ vorzustellen.

Degrowth Konferenz

Was ist Degrowth?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Selbst Degrowth-Anhänger haben noch keine abschließende Definition gefunden, mit dem die Mehrheit zufrieden ist. Ist Degrowth eine ökonomische Denkweise, soziale Bewegung oder eine Art von Kultur?

Die Konferenzveranstalter sehen Degrowth als „eine Verringerung von Produktion und Konsum in den frühindustrialisierten Staaten, die menschliches Wohlergehen, die ökologischen Bedingungen und die Gleichheit auf diesem Planeten fördert.“

Was hat die NATUC auf der Konferenz so gemacht?

Es gab auf der Degrowth-Konferenz eine mannigfältige Auswahl an Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben. Je nach persönlicher Interessenlage wurden die Workshops individuell besucht, selten waren wir als Gruppe in ein und demselben Workshop.

Die Themenverteilung war ein bunter Blumenstrauß, es reichte von wissenschaftlichen Diskussionen zu Makroökonomie, über Workshops zur Pluralen Ökonomik bis hin zu einer praktischen Einführung ins Adbusting und einer Gesprächsrunde über den Klassiker Momo von Michael Ende. Gerade Plurale Ökonomik wäre auch für die Lehre an der Universität ein wichtiges Thema. Es geht dabei darum, dass in den Wirtschaftswissenschaften mehr als die Neoklassische Modellökonomik vermittelt werden sollte.

Degrowth Konferenz 2

Parallel zur Degrowth Konferenz und damit auch ein wenig verwoben, fand in Leipzig die globaLE statt. Dies ist ein Filmfestival, bei dem an wechselnden Orten in Leipzig globalisierungskritische Dokumentationen gezeigt werden. Für einen privaten Filmabend können wir beispielsweise den Film „Blood in the mobile“ empfehlen. Schockierend und aufrüttelnd wird hier gezeigt, unter welchen Bedingungen eigentlich die Bestandteile fürs Handys abgebaut beziehungsweise produziert werden. Ein besonderes Highlight war auch die Demonstration am Konferenzsamstag zum Thema „Enough is Enough for Everyone!“, mit selbstbedruckten T-Shirts aus dem Reparaturcafé „Cafe Kaputt“ ging es quer durch Leipzigs Innenstadt.

Degrowth Konferenz 6

Zum Themendreiklang Mobilität, Transport und Technologie gab es etliche Diskussionen, die besucht werden konnten. Besonders interessant waren Lösungsansätze für Großstädte: Der öffentliche Verkehr könnte gerade in Großstädten mit wenig Platz über Metrobusse oder Seilbahnen abgewickelt werden. Andererseits konnte auch sofort wieder Kritik geübt werden, denn Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen haben gezeigt, dass vorallem die Bevölkerung mit ins Boot geholt werden muss.

Degrowth Konferenz 4

Uns fiel auf, dass es auch innerhalb der Degrowth-Bewegung große Uneinigkeiten gibt. Es gibt wenige Lösungsvorschläge für ökologische oder soziale Probleme, die von der Mehrheit getragen werden. Dazu kommen dann noch die Grenzen, die Politik und Wirtschaft sowieso schon auferlegen. Um bessere und stärkere Handlungsalternativen für die Neugestaltung der Gesellschaft aber überhaupt durchsetzen zu können, braucht es ersteinmal eine Einigkeit innerhalb der Degrowth-Bewegung.

Degrowth Konferenz 3

Andererseits war es sehr schön anzusehen, wie auf der Degrowth Konferenz Lösungen und Wege aus anderen Ländern gezeigt wurden. Es war faszinierend, welche Kreativität andere Initiativen oder Gruppen an den Tag legen, um ihre Ziele zu verwirklichen. Das hat uns als NATUC-Mitglieder natürlich inspiriert und es gibt auch Kraft für das Engagement an unserer Universität.

Degrowth Konferenz 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.